Überleben, die zweite

Schon vor über vier Jahren hatten Angela und ich das Training „Überleben auf See“ in Elsfleth mitgemacht (Ich schrieb darüber: Klick). Nun wurde es erneut zu einem sehr fairen Preis angeboten, dieses mal statt Erster Hilfe zusätzlich „Leckbekämpfung“. Ich meldete mich noch am selben Tag an. Angela nicht, ihre Schulter liess das leider nicht zu. Gestern hat das stattgefunden.

Leider fand ich meine schöne, solide Ölhose nicht, also musste es ohne gehen, ich fand Ersatz. Da ich ja schon wusste, was mich erwartet, habe ich mich entsprechend warm angezogen: lange Unterhose, eine Thermohose darüber, und dann noch eine so genannte Arbeits-Sicherheitshose, die aussieht wie eine orangefarbene Regenhose. Dazu ein Unterhemd, ein langärmliges Thermoshirt, einen Fließpullover und meine Öljacke. Statt einfacher Schuhe zog ich meine Seestiefel von Le Chameau an (das sind nicht einfach Gummistiefel, ich schreibe mal einen Beitrag dazu). Als Rettungsweste wählte ich eine von denen, die man „so für Gäste“ an Bord hat. Schon etwas älter, aber die wirds wohl schon noch tun. Von wegen.
Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Ich war bei denen, die zu erst ins Wasser gingen, die anderen machten erst Leckabwehr. Das Hallenbad war schön warm und das Wasser lag bei 22,3 Grad. Klingt erstmal gut. Es gab eine kurze Einweisung und dann sprangen wir nach und nach ins Wasser. Ich machte den Gurt meiner Weste etwas strammer, denn sie hatte keinen Schrittgurt. Außerdem pulte ich, bevor ich an der Reihe war, noch an meiner Weste den manuellen Auslöser raus. Normalerweise baumelt ein Knebel immer irgendwo sichtbar an der Seite, hier war er merkwürdigerweise unter der Schutzhülle. Im Allgemeinen war es erstaunlich, wie viele der anderen Segler sich offenbar überhaupt keine Gedanken über Rettungswesten machen (und das fängt nicht erst damit an, dass die immer „Schwimmweste“ sagen).
Nun sprang ich mit einem Ausfallschritt ins Becken und wartete, hoffte, auf das zischende „Plopp“, wenn sich die Weste aufbläst. Nix da. So richtig überrascht war ich nicht, denn die Weste war von 2002 (immerhin schon zu Euro-Zeiten). Hatte ich schon erzählt, dass wir damals, als wir die Slocum übernommen hatten, an Bord tief in einem Schapp eine uralte Rettungsweste fanden? Die hatte einen Aufkleber „letzte Prüfung 1977“ und ein Test ergab, dass sie sich noch einwandfrei aufblies! Mein 2002er Modell leider nicht. Ein Helfer im Wasser kam zu mir und zog am manuellen Auslöser. Nix. Ich wollte schon die Weste ablegen und mir eine von Fire&Safety leihen, da kamen wir auf die Idee, die Weste selbst aufzublasen. Immerhin eine Option an allen Westen und man sollte sowas mal gemacht haben (das ist auch ein Punkt in der praktischen Ausbildung hier). Ich pustete und er schraubte meine CO2-Kartusche raus. Was sah er da? Die wurde schon mal ausgelöst! Und dann hat irgendjemand die Weste einfach wieder zusammengepackt! Das ist fast schon fahrlässige Tötungsabsicht… naja, ich hätte die Weste auch vor der Verwendung selbst überprüfen sollen. Vertrauen ist eben nicht alles.
Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir mit dem, was ich damals schon beschrieb, siehe Link oben. Das ist immer wieder ein Erlebnis und sehr lehrreich. Und das Highlight ist echt das Aufwinschen aus der Rettungsinsel mit allem drum und dran. Wiedermal war ich fix und fertig und richtig erleichtert über meine „Rettung“. Aber so Pitsche-Nass, wie wir alle waren, ging es noch weiter, es kam noch die Übung: „Verlassen des Wassers über eine (Art) Jakobsleiter.“ Die höchsten Wellen wurden angeschmissen und durch die wilde Kreuzsee mussten wir erneut reinspringen und einzeln in Rückenlage quer durchs Becken zur Leiter schwimmen. Dort angekommen wurden jeder angewiesen, wie man da am besten hoch kommt. Ich bin ja nun kein Suppenkasper, aber nach der langen Zeit im Wasser, mit den schweren Klamotten da hoch kommen, bedeutet höchste Anstrengung!

Mein Tipp an jeden, der öfter auf dem Wasser ist: tut euch so ein Training ruhig an! Dann weiß man, das man alles dafür tut, gar nicht erst ins Wasser zu fallen. Denn „da draußen“ ist keiner im Wasser, der einem hilft, es gibt keinen Beckenrand. Die See wird noch wilder sein, das Wasser kälter und schmutzig, man ist vermutlich allein… ich selbst gebe mir keine halbe Stunde, wenn ich mal bei üblen Bedingungen über Bord gehen sollte.

(über den Ausbildungsteil „Leckabwehr“ schreibe ich einen gesonderten Beitrag)

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