Regatta? Warum nicht!

Zweimal waren wir bzw. ich Teilnehmer an einer Regatta: Vor vielenvielen Jahren war ich als Crew-Mitglied auf der Obadja (eine Dufour Arpege), dem Jugendboot des OYC, während wir an der Mittwochsregatta Hooksail teilnahmen. Und ein anderes mal waren Angela und ich mit der Slocum 2019 „Begleitboot“ bei der Jubiläumsregatta in Wilhelmshaven (Bericht hier).

Das OYC-Boot

Nein, ich bin kein Regatta-Mensch. Ich bin ein aufrechter Segler, der nicht unbedingt den letzten Speed aus dem Boot rausholen muss. Aber dennoch kann es doch nicht schaden, zu wissen, wie es geht und was man so schafft? Auslöser war aber eher Angela, die irgendwie Regatta-Gene hat und auch mal gerne mitmachen wollte. Deswegen reservierte sie sich aktuell einen Platz auf der Obadja, um auch mal an der Hooksail teilzunehmen.
Die Hooksail ist „nur“ eine Mittwochsregatta, aber es geht schon ernst zu! Mich interessierte bisher aber am meisten die Regatta-Abschluß-Feier am Ende des Jahres 🙂
Nun ergab es sich, dass die vorhandenen Plätze auf der Obadja komplett ausgereizt waren. Am besten geht es mit drei Leuten im Cockpit, mit vier ist es schon eine kleine Herausforderung und mit Fünfen muss immer einer im Niedergang sitzen… also handelte ich kurzentschlossen und meldete unsere Swantje auch zur Hooksail an. Die wird auf jeden Fall einiges mehr schaffen als die Slocum, und mit den angesagten fünfer Böen würde es auch kein Kaffeesegeln werden.
Wir trafen uns um 16:45 Uhr in Hooksiel und Angela durfte sich nun entscheiden, auf der Obadja oder auf der Swantje mit zu segeln. Sie wählte erstere, und Olivier (dem heutigen Skipper der Obadja) wars recht. Er hatte noch drei Jungs im Gepäck, die keinerlei Segelerfahrung hatten und einfach mal dabei sein wollten. Einer davon heuerte nun bei mir an. Der Andreas. Er war interessiert, hatte auch einen frischen SBF in der Tasche, aber keinerlei Segelvorbildung. Ich erklärte ihm erstmal nur die beiden Segel und die entsprechenden Schoten, der Rest würde später folgen. Dann erläuterte ich ihm, wie wir aus der Box ablegen wollen und das hat auch wunderbar geklappt. Um 18:00 Uhr sollte die Schleusung sein, deutlich früher tuckerten wir dahin und winkten der noch am Steg liegenden Obadja-Crew zu. Auf dem Hooksmeer schon vor und hinter uns etliche andere Segler, alle in die gleiche Richtung. In der Schleuse waren dann schon ca. sechs Boote, aber wir passten locker noch mit rein. Es wäre sogar noch Platz für ein, zwei weitere Boote gewesen, aber nun schlossen sich die Tore. Dazu muss man wissen, dass die Schleusentore zur Zeit ein technisches Problem haben. Sie können nicht bei hohen Wasserständen bedient werden, weil der Wasserdruck zu hoch ist.

Swantje auf dem Weg zur Schleuse

Mit steigendem Wasserstand sahen wir aber, wie die Obadja sich näherte. Dann eben die nächste Schleusung.

Wir fuhren dann aus der Schleuse und weil ich ja einen Neuling an Bord hatte, verzichtete ich darauf, das Groß schon im Vorhafen hochzuziehen. Mehr Raum dafür ist draußen auf der Jade. Ausserdem näherte sich von außen die Fähre „Fair Lady“ dem Hafen und wollte hier auch rein. Für diesen Hafen ist die echt riesig! Also tuckerten wir zielstrebig raus, erstmal zum (richtig) tiefen Wasser. Da hatten wir Platz und Gelegenheit, alles zu klarieren, zu erklären etc. Laut Startzeittabelle und unserem Yardstick von 111 war unsere Startzeit um 18:32:12. Das waren noch 20 Minuten bis dahin. Wir holten das Groß hoch, ich zeigte Andreas, was Wenden und Halsen sind und was wir dann machen müssen und versuchten schon, an die Startlinie ran zu kommen. Aber das war gar nicht so einfach. Der Wind kam von dort, wir mussten kreuzen. Dann rollte ich auch noch das Vorsegel raus aber dennoch kamen wir erst über 6 Minuten später über die Linie. Das Bild, welches sich uns bot, war schon beeindruckend: Überall kreuzten die Segler und man konnte kaum erkennen, wer schon über die Linie und auf Kurs war oder noch in Wartestellung. Egal, einen Frühstart würden wir nicht mehr hinlegen, also los! Die Schoten so dicht wie es nur ging und möglichst hoch an den Wind, aber dennoch genug Fahrt im Boot haben. Dank der Windlupe konnte man das perfekt ausbalancieren, ohne ständig ins Masttopp zum Verklicker zu glotzen. Und wir machten so, bei den Böen, durchaus über fünf Knoten Fahrt!
Unten im Boot flog alles rum, was nicht fest war. Das muss ich echt in Griff kriegen und mal alles ordentlich wegstauen (oder von Bord schaffen). Egal, Wettfahrt! Andreas machte sich sehr gut an der Pinne, ich riss an den Schoten und mit zwei, drei Kreuzschlägen näherten wir uns schon der ersten Tonne. Mittlerweile hatten wir ein gutes Gefühl für die Swantje und konnten mit den anderen gut mithalten. Aber irgendwie können die Profis den Wind besser lesen. Wir fuhren nun auf einem Schlag, der uns direkt an der Tonne vorbei führen würde, wenn wir die Höhe halten können und der Wind nicht dreht. Andere mussten vor der Tonne noch mal wenden. War das unsere Chance, ein paar Plätze gut zu machen?
Von wegen. Plötzlich liess der Wind nach. Wo eben noch 13 bis 17 Knoten waren, da war nun gerade mal ein Hauch. Ich warnte Andreas noch eher scherzhaft, dass alle Tonnen magnetisch sind, aber nun trieben wir wirklich darauf zu. Schnibbeln is nich, da müssen wir rum! Also: Reeeee! Noch eine Wende, um von der Tonne weg zu kommen und ich sparte uns gleich die Halse und fuhr eine Q-Wende. Wir machten gerade genug Fahrt, damit der Bug durch den Wind kam. Alle anderen Boote hatten irgendwas besser gemacht und entfernten sich von uns. Immerhin waren wir nun auf einem Halbwindkurs und konnten entspannt und einigermassen flott die nächste Tonne ansteuern. Es kam wieder etwas Wind. Wir nutzen die Zeit, um nach der Obadja Ausschau zu halten, aber sie war im Feld nicht auszumachen, nicht mal durch den Kieker.
Um die nächste Tonne halsten wir auf Raumschots- Kurs und um Andreas das mal zu zeigen, rollte ich nun die Fock ein und die Genua aus. Bei einer 4 Raumschots geht das wohl. Die Swantje nahm das auch gerne an und Fahrt auf, das Wasser rauschte und wir machten wieder 5 Knoten und mehr. Aber näher an die anderen Boote kamen wir nicht mehr, die hatten ja den gleichen Wind. Doch immerhin sahen wir nun die Obadja, sie kam uns fast entgegen! Das ist aber nett von denen, uns am Ende des Regatta-Feldes nicht allein zu lassen. Ich guckte auf die Uhr: Die Regatta war noch lange nicht vorbei, wir können auf jeden Fall eine Runde ums Muschelfeld vollenden! Also munter weiter, um die nächste Tonne. Bei der letzten hatte ich schon die Gelegenheit genutzt und die Vorsegel wieder getauscht, nun ging es wieder hoch an den Wind! Zwischendurch wechselten Andreas und ich die Position bzw. Aufgaben, damit er auch mal Schoten und Winschen bedienen kann. Beim letzten Zentimeter Dichtholen passierte es dann: Es gab einen Knall und die Fock fing an zu schlagen. Sofort rief ich Reeee! und wir gingen auf den anderen Bug. Was war passiert? Die Schot war heil, aber die kurze Seilschlaufe am Schothorn war gebrochen. Diese war da, weil die Fock sehr hoch geschnitten ist und man sonst an die Kausch kaum rankommt. Also halb so wild, das werde ich später fixen. Nun rollten wir das Segel ein und fuhren noch etwas gemeinsam mit der Obadja hin und her. Es war fast 19:50 Uhr, Ende der Regatta. Ein paar Boote überrundeten uns nun sogar. Wir haben Platz gemacht.

Dann motorten wir in die Schleuse, alle Boote passten rein und es ging zurück an die Liegeplätze. Andreas und ich legten prima in der Box an und nun teilten wir uns ein Anlege-Bierchen. Als die anderen vier von der Obadja kamen, gönnten wir uns alle noch ein Regatta-Bierchen 🙂
Dabei erfuhren wir auch, dass die Obadja ein Opfer der Schleuse wurde: Sie saßen eine halbe Stunde fest, weil man die Tore nicht öffnen konnte. Viel zum segeln kamen sie leider nicht. Was soll ich sagen? Immerhin sind wir nicht letzter geworden 😉

Ich muss Andreas nochmal ein Lob aussprechen: Er hat alle Anweisungen sehr gut umgesetzt, hat offen gleich alles verstanden, was ich ihm erklärte und er ist auch geschickt genug, um z.B. in der Schleuse gefahrlos vom Boot auf den Schwimmsteg zu kommen. Das wird noch mal ein guter Segler!
Und Angela und ich können uns nun auf die Regatta-Fete im November freuen!

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