Überführung einer Yacht von Lelystad nach Whv zu Beginn des Frühlings – Teil 1

30.03.2022 – Wir sind mit der Bahn auf dem Weg von Oldenburg nach Lelystad. Die Blue Cruise soll nach Wilhelmshaven zu Jade Yachting überführt werden. Ich werde Co-Skipper sein.

In Leer warten wir lange auf den Schienenersatzverkehr und bewundern die großen Schneeflocken, die sich leise auf unser Reisegepäck legen. Gegen 17:00 Uhr kommen wir endlich bei der Flewo-Marina an, nach dem sich am Bahnhof ein Taxifahrer erbarmte und uns zum Hafen fuhr. Nach dem spannenden Gang über den von Sturmböen überwehten Steg verstauen wir unser Gepäck auf der Cyclades 50.5, bevor wir noch mal Proviant einkaufen. Anschliessend gehen wir zum gemeinsamen Begrüssungs-Essen ins Hafen-Lokal. Die Crew besteht aus insgesamt sechs Personen, von denen die Hälfte eher Passagiere als erfahrene Segler sind. Unsere Herausforderung: Die Beneteau hat 2,2m Tiefgang. Damit scheidet sowohl die Stande Maast Route als auch der Weg durchs Watt aus. Und natürlich zeigt der März noch mal das kalte, graue Wintergesicht statt das in den letzten Wochen so lieb gewonnene freundliche Frühlingslächeln.
Seit Langem war dieser Überführungstörn geplant: Am ersten Tag übers IJsselmeer durch die Schleuse bis nach Harlingen. Am nächsten Tag noch eben nach Terschelling oder Vlieland und anschliessend einen langen Schlag bis nach Norderney. Von dort aus den nächsten langen Schlag bis nach Wilhelmshaven. Rechts ranfahren war nirgends möglich. Der Ostwind sollte laut Vorhersagen noch über Nord auf West drehen. Die Details zeigen, wie knapp die Planung ist: In Harlingen sollte am 31.03. gegen 18:15 Uhr Niedrigwasser sein. Wenn wir noch deutlich davor im Hafen sein wollten, müssten wir spätestens gegen 16:00 bei der Schleuse Kornwerderzand sein. Also sollten wir um zehn in der Flewo-Marina ablegen. Am nächsten Morgen  können wir in Ruhe frühstücken, denn bei den Sturmböen laufen wir nicht aus. Ab 13:00 wurde es dann „etwas ruhiger“, der Wind ging runter auf 6 – 7 Bft und wir planten, erstmal nur bis Stavoren zu fahren… immerhin schneit es nicht mehr.

Dank 100PS-Yanmar drückte sich die Yacht erbarmungslos durch die Wellen, es klatschte, knallte und spritzte. Als wir unseren Kurs endlich auf Nord drehen konnten, setzten wir das Groß bis zum dritten Reff sowie das Vorsegel bis zur ersten Markierung. Wir machten fast sieben Knoten Fahrt. Wir schob gewaltig Lage, aber: Stabil! Fünfzehn Tonnen unter Segel bringt halt kaum was aus der Ruhe. Unsere Skipperin (und Eignerin) auch nicht: Wir fahren durch bis Makkum.
Nachdem wir in der schmalen Fahrrinne vor Makkum die Segel wieder einholten, gehe ich ans Rad und fahre den Anleger, während die anderen Crew-Mitglieder mit Fendern und Leinen auf dem Deck rumhopsen. Ich bin mir sicher: Ich habe den besseren Job. Und wie bestellt kam die Sonne zum Untergang ihrer selbst noch mal raus und der Wind legte sich später auch noch. Schön hier in Makkum!

Die erste Etappe ist geschafft. Für den nächsten Schlag ist unvermeidlich: Wir werden eine Nachtfahrt planen und durchführen. Ob jedem Crew-Mitglied klar ist, was das bedeutet?

Teil 2 hier: Klick

(Hinweis: Die einzelnen Beiträge dieses Törns erscheinen etwas ausführlicher auch im Blog des Segeln-Forums)

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