Sprit sparen

Als wir Ende des letzten Urlaubs noch auf Helgoland waren, da haben wir natürlich auch noch getankt. Immerhin ist der Diesel dort nicht nur wesentlich günstiger, er ist auch noch Bio-frei, was wir Bootfahrer gern haben.

Das Tanken dort geht im Grunde wunderbar einfach: Man fährt mit dem Boot ins Hafenbecken und wenn am Tanksteg Platz ist, dann legt man an und bekommt sofort Anweisungen, was man zu tun hat. Es gibt aber eine große Herausforderung für fast jeden Sportbootfahrer: Ein großes Schild weist darauf hin, dass der Sprit keinen Schaumstopper enthält. Und was das bedeutet, merkt man schnell: Der Diesel kommt wahnsinnig schäumend aus der Zapfpistole, und wenn er nicht schnell genug ablaufen kann, dann läuft es über. Und die meisten Sportboote haben einen relativ schmalen Tankzulauf. Da hilft der größte Trichter nicht. Also drückt man den Zapfhahn so vorsichtig, dass der Sprit nur langsam rausläuft. Sehr langsam. Und trotzdem läuft es manchmal über. Totale Kacke. Ich wollte eigentlich volltanken, aber nach 20 Litern hatte ich die Nase voll und füllte nur noch eben den 10L-Kanister. Dass der neben mir liegendes Yacht-Kamerad gewaltigen Ärger bekam, weil er seinen übergelaufenen Sprit mit Spüli binden wollte, sei nur am Rande erwähnt. Später, zuhause, nahm ich den gefüllten Kanister von Swantje, um Savi noch etwas Sprit zu gönnen.

Gestern starteten wir dann in Oldenburg, um „nur eben“ mal nach Elsfleth zu fahren. Ziel war Bremen samt maritimer Woche. Noch am Stau schaute ich auf die Füllstandsanzeige bei Swantje und grübelte kurz: Knapp noch ein Drittel voll. Also 20 Liter. Ungefähr. Ganz exakt kann man das nicht sagen, denn bei der Übergabe der Swantje, ich erinnere mich genau, da deutete Rainer auf die Tankanzeige und sagte: „Die ist nicht linear“. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, das zu interpretieren: Entweder die Anzeige sinkt rapide, obwohl noch reichlich Sprit im Tank ist, oder der Tank ist schon ziemlich leer, aber die Anzeige steht noch auf „langt allemal“. Natürlich ist letzteres der Fall. Aber es gibt ja immer noch die manuelle Sichtkontrolle, da der Tank aus durchscheinendem Kunststoff ist: Man muss nur die Niedergangsleiter und dann den vorderen Deckel zum Motorraum entfernen, sich davor hocken, und am Motor vorbei unten mit einer Taschenlampe leuchten. Dann kann man, wenn man weiss, wohin man gucken muss, den Füllstand ablesen. Deshalb hatte ich mir bei Gelegenheit mal eine Markierung an die Anzeige gemacht, als der Tank noch ein Drittel gefüllt war.

So, nun lagen wir schön beim SWE Elsfleth und ich checkte noch mal die Anzeige: Mann, war die niedrig. Kurz vor Reserve, was auch immer das bedeutet. Und wir wollten noch nach Bremen und von dort zurück nach Oldenburg. Circa neun Stunden Fahrt. Kurz koppeln: Wenn der Motor 2l/h verbraucht (was er bei geringer Drehzahl nicht tut, eher 1,5) bräuchten wir noch 18 Liter. Aber die Anzeige war definitiv unter dem Drittel. Nee, so geht das nicht. In Elsfleth würde ich noch mal zur Aral radeln (immerhin hatten wir gestern noch Treta an Bord gewuppt) und nen Kanister voll holen. Da kam mir ein Gedanke, der sich durch einen schnellen Blick in die Backskiste bestätigte: Der Kanister war nicht an Bord. Ach ja. Oh Mann, ey.
„Tja“, sagte ich zu Angela, „dann muss ich wohl mit nem Eimer zur Tanke“. Sie schaute auch noch mal beiden Backskisten nach, ohne Erfolg. Ach, es wird sich schon eine Lösung finden. Immerhin sind wir hier bei einem aktiven Yachtclub, da gibt es doch Kanister!?
Heute vormittag lief ich über den Steg und schaute, wo jemand an Bord wäre. Gaaanz am letzten Liegeplatz fand ich jemanden und fragte, ob er mir einen Kanister leihen könnte. Hat er, kann er. Aber nur ein 5l-Kanister. Na, besser als gar nichts. Weil mir das aber eigentlich noch zu wenig war, um ein sicheres Gefühl zu haben, fragte ich noch weiter. Fand aber keinen weiteren. Dafür fand ich eines der Leihfahrräder für Gäste. Tolle Sache! Es hatte sogar einen Fahrradkorb hinten drauf, ideal zum Transport. Und etwas größer und bequemer als Treta war es auch. Ich radelte los. Der Weg ist gar nicht so weit, vielleicht 10 Minuten bei drömeligem Tempo. Unterwegs beschloß ich, bei der Tanke noch nen Kanister zu kaufen, egal was es kostet! Offenbar kann man ja nicht genug Kanister besitzen. Immerhin hatten sie sogar einen mit 10 Litern. Der kostete zwar soviel wie sein gewünschter Inhalt, doch: Nützt ja nüschts. Netterweise durfte ich den Kanister erst mit rausnehmen, tanken und dann alles zusammen bezahlen. In die beiden Kanister bekam ich knapp 17 Liter Diesel und beide passten noch so eben in den Fahrradkorb. Teuer bezahlt und zurück geeiert, die Kanister an Bord geschlurrt und das Boot betankt.

Nun war die Tankanzeige wieder etwas über der Drittelmarkierung. Bedeutet das, es waren nur noch vier Liter oder so im Tank? Ich glaube nicht. Ich nahm mir aber vor, nun immer einen gefüllten Kanister an Bord zu haben. Toi toi toi.

Übrigens haben wir noch fast 10 Liter besten Diesel im Tank der Heizung. Aber über die Heizung schreibe ich bald noch.

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