Geht immer: Nassauhafen

Wir hatten dieses Wochenende nicht richtig viel Zeit, wollten aber nicht ganz segellos bleiben. Im Jade-Revier gibt es einige passende Optionen, jedes noch so kleine Zeitfenster mit einem Segeltörn zu füllen. Wie wäre es mal wieder mit Wilhelmshaven?

Auf Wangerooge waren wir ja erst letztes Wochenende und dafür braucht man auch schon ein größeres Zeitfenster. Aber im Nassau-Hafen waren wir lange schon nicht mehr und mit der Swantje noch gar nicht! Also fuhren wir Samstag Mittag mit dem Auto nach Hooksiel und hatten komischerweise schon wieder den Kofferraum voll mit Dingen, „die aufs Boot müssen“. Von einigen Sachen, die dabei waren, erzähle ich später…
So kamen wir erstmal an Bord an, verstauten Sachen und Vorräte und legten irgendwann ganz in Ruhe ab. Bis zur Schleusung (16:00 Uhr) war es noch reichlich zwei Stunden hin, aber man kann ja mal wieder in den alten Hafen gucken (Krabbentage, im Hafen noch viel freier Platz, das Wetter war wohl zu schön 🙂 ) und danach tuckerten wir aufs Hooksmeer und machten kurzerhand längsseits an der dort ankerten Kristin fest. Von dort hatten wir die Schleuse im Blick und wie vermutet machten die schon deutlich früher innen auf. So warfen wir unsere Leinen wieder los und schleusten raus. Da im Vorhafen schon einige Boote warteten, verzichteten wir darauf, dort schon das Groß hoch zu holen, obwohl es ideal gewesen wäre. Draußen lief das Wasser auf, wir hatten also schön den Strom mit uns auf unserem 10Meilen-Weg. Die Herausforderung dabei: Das neue Sperrgebiet rund um die Flüssiggas-Terminal-Baustelle. Irgendwie ist das alles nicht ganz so konsequent umgesetzt und man kann sich seemännisch nicht korrekt verhalten, wenn man denn auch noch die H3 runden will. Aber auch dazu schreibe ich in einem weiteren Beitrag noch was… wir hielten uns also knapp außerhalb des Sperrgebietes 😉 und mussten eh nach Norden drehen, um das Groß zu setzen. Dann fielen wir wieder ab und hatten halben Wind, während wir die Genua ausrollten und versuchten, den Kurs zu finden, wo uns die Tide nicht gleich ins Sperrgebiet schob. Zugegeben: So gaaanz genau nahmen wir das nicht, solange in Lee von uns noch zwei andere Boote munter „die alten Kurse“ absegelten. Immerhin schafften wir es, nachdem wir als fünfter aus der Schleuse kamen, als erster auf dem Weg nach Wilhelmshaven abzubiegen… dazu noch eine kleine Geschichte, der Text hier wird eh wieder länger als gedacht: In der Schleuse lag vor uns eine Bavaria 31 Holiday, ganz schmuckes Ding. Am Heck stand: Lemmer. So bummelte ich über den Schwimmsteg und fragte: „Na, wollt ihr nach Hause?“
„Nee, das ist noch vom letzten Jahr, wir kamen noch nicht dazu, das ab zu machen. Wir sind noch Neulinge und wollen erstmal nur nach Wilhelmshaven…“
Och, das passte ja, wir doch auch. So tauschten wir uns noch etwas aus und sie fragten sich, ob dort wohl noch Plätze frei wären und was wenn nicht und ob man da irgendwo ankern könnte… meine kurze Antwort: „Aach, das findet sich…“ und dann ging es schon mit der Schleuse weiter.
Also weiter im Text: Draußen sortierten sich die Boote, von vorn steuerte natürlich noch die Wega II auf den Vorhafen zu, der Wind wehte mit schwachen drei nördlichen Bft und die Sonne schien herrlich.

Hinweg: Klick für größer*

Das sollte doch ein schöner Segeltag werden? Der Wind kam nahezu achterlich, das war mal eine andere Herausforderung als die fast üblichen Kreuzkurse… irgend was ist ja immer: Wir wollten also vor dem Wind kreuzen. Zunächst aktivierten wir die Windfahne, die ja laut Rainer auf allen Kursen funktionieren soll. Und bei diesen tiefen Kursen ist das Steuern nach dem Wind allemal besser als mit PiPi, der sowieso nur die Ruhe stören würde. Auf dem Bild oben kann man unsere Schläge auch erkennen: Wir halsten einige Male. Und zwar mit der Windfahne. Das war im Grunde ganz einfach: Ich kündigte die Halse an, dann rollten wir die Genua ein, rund achtern! und ich änderte an der Fahne den Kurs. Währenddessen führte Angela die Großschot. Auf neuem Bug rollten wir die Genua wieder aus und weiter ging die tolle Fahrt, dank Tidenstrom locker mit 6 Knoten Fahrt und mehr, und das bei fast Windstille an Bord. Später nahmen wir dann die Arbeitsfock statt des großen Vorsegels, Das ging genau so flott!

Um etwas „Tiefe“ und auch Raum zu gewinnen, fuhren wir ganz über die andere Fahrwasserseite. Das „Grüne“ da oben rechts auf dem Bild war alles unter Wasser, Platz genug für rumeiernde Sportboote. Dort fuhren auch einige Entgegenkommer, die wohl die Eigenschaft ausnutzten, dass man an der Seite weniger Gegenstrom hat… apropos: Ich guckte immer wieder mal nach hinten, um die oben erwähnte Bavaria zu finden. Die sollte doch einiges schneller sein als wir? Aber da kam nix… unsere Swantje ist aber auch ein flottes Boot! (fairerweise muss man sagen, dass die beiden auf der Bavaria wohl wirklich Neulinge und damit sehr vorsichtig waren, dazu auch später mehr).
Das Segeln war so wunderbar und könnte ewig weiter gehen! Aber irgendwann kommt die Einfahrt in Sicht, wir besprechen das Manöver und mit eingepackten Segeln motoren wir ins Hafenbecken. Dort sind noch etliche freie (und grüne!) Plätze. Wir suchen uns einen aus, machen Fender klar und legen an. Vom Nachbarboot kommt einer, der gern die Leinen annimmt. Fein. Nun erstmal ein Anlegebierchen (und ein Pinneken Portwein). Wie wir so im Cockpit sitzen, rutscht auch langsam die Bavaria rein. Ich gehe an den Steg, um zu helfen und sehe, dass dort bereits ein anderer Helfer steht. Gut, helfende Hände kann man nie genug haben. Aber, und das ist lobenswert: Die beiden ziehen ihr offenbar vorher besprochenes „Ding“ durch, ohne sich durch Leute am Steg ablenken zu lassen: Er wirft eine Vorleine über eine Klampe, holt sie dicht und ruft ihr (Tanja) am Rad stehend Infos zu. Offenbar wollen sie in diese Leine eindampfen. Ich murmele ein paar lobende, entspannende Worte und gehe zurück zu unserem Boot. Schon in der Schleuse sprachen wir (Bavaria und ich) über den Rückweg und ich machte klar, dass die zwei Stunden vom Hochwasser Wilhelmshaven (7:56 Uhr) bis zur Schleuse Hooksiel (10:00 Uhr) locker reichen würden. Dazu auch später mehr 😉

Nun will ich schnell ein paar Nudeln mit Irgendwas** kochen, währenddessen geht Angela die Liegegebühr bezahlen: 10,- Euro, das ist doch fair! Ohne Strom, aber den brauchen wir nicht.
Und jetzt habe ich wieder so viel über diese eigentlich kurze Reise geschrieben, dass ich das in zwei Teile packen werde. Wenn euch also dieser Teil gefallen hat, dann freut euch auf Teil zwei :)***

*Übrigens: Von den Gezeiten-Pfeilen in den Bildern nicht irritieren lassen, ich machte die Screenshots später 🙂

** Wir nennen das „Mampf“

*** Wenn es euch nicht gefällt, dann teilt mir das (und warum) auch gerne mit!

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